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CITYWATCH

Zur Arbeit des Künstlers

Sandip Shah ist 37 Jahre alt. Er absolvierte die Städelschule bei Hermann Nitsch und lebt und arbeitet seither in Frankfurt und Darmstadt. In seiner künstlerischen Arbeit kombiniert er immer wieder Malerei, Video und Installation. Dabei kreisen seine Inhalte um aktuelle gesellschaftliche Phänomene, die er auf vielfache Weise in begehbaren, raumbezogenen Projekten untersucht. Seit 5 Jahren ist für ihn auch seine Wohnung, die öffentlich bewohnte Kunstinstallation, eine Art Forschungslabor des Innen und Außen.

 Vor drei Jahren bezog er zusätzlich im Frankfurter Bahnhofsviertel im „ATELIERFRANKFURT“ einen Arbeitsraum. Die umtriebige Großstadt, hektisch, laut, multikulturell und pulsierend inspirierte Shah. Er entwickelte vor Ort das „Projekt: Sicherheitsbüro“, das er bis heute weiterverfolgt, immer auf der Suche nach neuen Kontexten.

 Viele Monate nahm er dort zunächst im ehemaligen Frankfurter Polizeipräsidium die längst verlassene Pförtnerloge in Beschlag und ersetzte den fehlenden Portier durch eine Überwachungskamera. Eine Kommunikation zwischen Mensch und Maschine entstand. Das inszenierte Sicherheitsbüro war geboren. Jeder, der durch die Eingangstür des Gebäudes ging, wurde in dieser wochenlangen Kunstaktion öffentlich sichtbar gefilmt und zugleich auf einem Monitor mit seiner Eitelkeit konfrontiert.

 Der Künstler spielt in diesem Projekt auf den zunehmenden Überwachungswahn in unseren Städten an und schlüpft selbst in die Rolle der kontrollierenden Staatsmaschinerie. Dabei verknüpft er das Orwellsche Phänomen „big brother“ mit dem menschlichen Narzissmus und der unstillbaren Sehnsucht nach einem superstar-feeling.

 Aus den authentischen Videoüberwachungen zieht Sandip Shah parallel unzählige schwarz / weiß Videostills, und erstellt Ausdrucke seiner meist unbekannten Protagonisten. Diese fügt er später zu wandgroßen Gesamtbildern zusammen und organisiert dadurch eine sich permanent bewegenden Menschenmasse.

Zuweilen vergrößert er auch einzelne Ausschnitte soweit, dass sie zu gesichtslosen Phantombildern werden, die er teilweise bis zur Unkenntlichkeit abstrahiert. Dabei entwickeln sich von Pixel durchsetzte blow-ups, Zerrbilder von Persönlichkeiten, deren Anonymität er teilweise durch Schwarzlicht unterstreicht.

In seiner facettenreicher Ölmalerei -Schicht um Schicht- erhalten seine, in digitalen Lichtimpulsen aufgezeichneten Gestalten eine neue Identität jenseits der fotografischen Abbildung. In langwierigen Arbeitsprozessen –Schicht um Schicht erfindet Shah hier seine Figuren von Hand neu. Es entstehen komplementär verschlüsselte farbige Kraftfelder auf Leinwänden.

 Alle Installationen werden Raumbezogen konzipiert. Meistens laufen mindestens 2 Monitore, die Gegenwarts- und Vergangenheitsabläufe miteinander konfrontieren. Kameras zeichnen die aktuellen Abläufe auf.

 Der Besucher ist immer selbst sowohl Akteur als auch Beobachter. Er begegnet einer Unmenge flüchtiger Momentaufnahmen von ruhelosen und geschäftigen Personen, die unaufhörlich Türen durchschreiten, um von einem Raum in den anderen zu gelangen. Dabei wird jeder selbst real oder via Bildschirm immer ein Bruchteil des Ganzen.

 Sandip Shah hält in seinen Installationen die Schnittstellen einer von Ortswechsel getriebenen Gesellschaft fest. Da Reisende von alters her, wenn sie eine Schwelle überschreiten, in eine andere Dimension gelangen, spricht der Künstler in seiner Arbeit gerne von moderner Alltagsmystik Er schafft ein Genrebild unserer Zeit.

Inzwischen wurde bereits in mehreren Häusern eine Überwachungsinstallation realisiert:

u.a.im Stolze-Haus Darmstadt, im FraKK (Frankfurter Kultur Komitee), im Kunstblock und im Männerklo der Freitagsküche im Rahmen der Überwach Bar (mit insgesamt 8 Kameras, 4 Monitoren, 1 Beamer) anlässlich des Atelierrundgangs in Frankfurt.

Im Izmir K2 (2 Kameras und 3 Monitore) und im Air Antwerpen (5 Kameras, 2 Monitore) und dazu kommt noch ab 2008 die Mobile Überwachung durch eine Jackenkamera. In der Galerie Greulich zur Eröffnung. Im Frankfurter Kunstverein zum ARTSITE.TV Jubiläum mit vier Kameras. Im Pik Aas im Rotlicht Viertel zu einem Special Event, mit 2 Kameras. Und eine Dauerinstallation im Kunstverein Familie Montez mit vier Kameras.